Millionenschwere Forderungen gegen LKW Hersteller aufgrund geheimer Preisabsprachen!

logistik-umbruch-drohen
Eine neue Revolution durch die Digitalisierung in der Logistik
31. März 2017
LKW-Transport-autonom-daimler
Aktuelle Transport & Logistik-Trends 2017, 2018+
24. Juli 2017

Im vergangenen Jahr flogen fünf namhafte LKW Herstellerauf. Die EU-Kommission warf ihnen geheime Preisabsprachen vor und verhängte eine saftige Geldbuße. Nun haben sich mehrere Spediteure zusammengeschlossen und fordern ihrerseits Schadenersatz in Gesamthöhe von rund 100 Millionen Euro. Auch der Name VW taucht wieder in diesem Skandal auf.

Geldbußen für Mercedes, Iveco & Co.

Es sind 200 Spediteure aus dem Mittelstand, die sich nun zusammengetan haben, um ihren Anspruch auf Schadenersatz Gewicht zu verleihen. Die Klagen richten sich gegen die Hersteller, die im Sommer vergangenen Jahres von der EU-Kommission teilweise zu Geldbußen verurteilt wurden, nachdem der LKW-Bauer MAN die illegalen Preisabsprachen aufflogen ließ. Mindestens fünf namhafte Markennamen sind dabei in den Abspracheskandal verwickelt:

  • die VW-Tochter MAN,
  • Mercedes (Daimler),
  • Iveco,
  • Volvo / Renault und
  • DAF.

Die Firmen einigten sich mit der EU-Kommission seinerzeit auf zu zahlende Geldbußen in Höhe von 2,93 Milliarden Euro, ein neuer Rekord. Ob die VW-Tochter Scania ebenfalls verwickelt ist, ist noch Gegenstand von Ermittlungen, da diese dem Vergleich nicht zugestimmt hat.

Nach Bekanntwerden des Geldbußverfahrens kam es in Folge der Geldbußen auch gleich zu den ersten Klagen auf Schadenersatz. Einige Kommunen und kleinere Speditionen reichten mehrere Klagen über sechs- bis sieben-stellige Summen mit einer Gesamtsumme von rund 2,9 Millionen Euro vor dem Landgericht Stuttgart ein. Sie wurden nervös, da der kommunale Spitzenverband sowie der Städtetag die Verjährungsfrist am 19. Januar dieses Jahres ablaufen sahen. Dies wird jedoch von vielen Experten arg bezweifelt.

Betroffene Speditionen sollten Schadenersatzansprüche prüfen

Betroffen von der Absprache sind LKW´s, die von den oben genannten Herstellern in einem Zeitraum über 14 Jahre, zwischen 1997 und 2011, gebaut wurden. Betroffen sind dabei mittelschwere LKW´s mit einer Nutzlast zwischen 6 und 16 Tonnen sowie schwere LKW´s mit über 16 Tonnen Nutzlast. Wer in dieser Zeit entsprechende Fahrzeuge gekauft oder gemietet hat, sollte sich dabei genauer erkundigen und prüfen, ob alle Kaufunterlagen noch vorhanden sind. Sollte dies nicht der Fall sein, so können diese über den LKW-Hersteller in Kopie verlangt werden.

Kay Espey, 1. Vorsitzender des Vereins zur Förderung des Wettbewerbs in der Speditionsbranche, ist nun derjenige, der die Forderungen der 200 Spediteure gebündelt hat und nun gegen die Konzerne vorträgt. Laut eigener Aussage wünscht er eine außergerichtliche Einigung, doch sollte diese nicht zustande kommen, ließ er keinen Zweifel darüber offen, auch den Rechtsweg zu bestreiten. Dabei geht es um rund 9.000 Fahrzeuge, die in dem besagten Zeitraum gekauft wurden.

Wie reagieren die LKW Hersteller?

Die Reaktion der Hersteller auf diese Forderung fiel bislang unterschiedlich aus. MAN enthielt sich eines Kommentars mit Hinweis auf den Geschäftsbericht sowie potenzielle oder bereits anhängige Klagen, gibt sich jedoch recht gelassen. Laut eines Konzernsprechers geht der LKW-Bauer nicht davon aus, dass die Schadensersatzklagen im Zusammenhang mit den Ergebnissen aus der EU-Kommission allzu negative Auswirkungen haben würde. Dies ist auch daran zu sehen, dass die VW-Tochter keinerlei Rücklagen hierfür gebildet habe.

Deutlicher antwortet Daimler dagegen auf die Forderungen. Eine Sprecherin nannte die Schadensersatzansprüche für deutlich überzogen. Ein Schaden für die LKW-Käufer sei demnach von der EU-Kommission nicht festgestellt worden, bemängelt wurde der Austausch der Informationen über die Bruttolistenpreise der Fahrzeuge und nicht eine gemeinsame Festsetzung der Verkaufspreise. Man werde jedes Verlangen nach Schadenersatz sorgfältig prüfen und sich entschieden gegen unberechtigte Forderungen zur Wehr setzen.

Ganz anders sehen es dagegen die Spediteure. Sie haben ein Gutachten erstellen lassen, das bescheinigt, dass durch die Preisabsprachen der Verkaufspreis um rund 15 Prozent zu hoch gelegen habe. Sollte sich dieses Gutachten als belastbar genug erweisen, so könnte ein Unternehmer, der im fraglichen Zeitraum 20 LKW zu etwa 80.000 Euro gekauft oder finanziert hat, mit einem Schadenersatz von rund 240.000 Euro rechnen.

Und eine größere Klagewelle könnte noch hinzukommen. Denn aus den Erfahrungen des Abgasskandals bei VW weiß man, dass viele Kanzleien größere Forderungen momentan noch bündeln und abwarten, bis die endgültige Entscheidung der EU-Kommission vorliegt. Die Kanzlei Hausfeld etwa hat nach Angaben von Christoph Rother bereits Klagen über 200.000 vorliegen. Ein Verfahren, das für die Kanzleien durchaus lukrativ ist.

 

Bild: Fotolia: Datei: #68805832 | Urheber: rasica

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.